10.000m und mehr

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Jung und die Schule brauchte Geld

3.Klasse im Frühjahr 2002. Es war ein Sponsorenlauf. Meine Schule wollte auf diesem Weg Geld sammeln, um damit neue Sportgeräte zu finanzieren. Also sollte jeder Schüler an jenem Tag laufen für den guten Zweck. Im Vorfeld vereinbarte man mit seinen Sponsoren, meist die Eltern und Großeltern, welchen Betrag sie pro gelaufenen Kilometer bereit waren zu spenden. Gleichzeitig schätzte man ab, wie viel man denn plane zu laufen. Damals noch ohne viel Sinn für Länge und Weite prognostizierte ich drei bis vier Kilometer, die ich laufen würde und ergatterte eine Vereinbarung von 2€ je gelaufenen Kilometer. Voller Vorfreude auf den Lauf und die Aussicht etwas Gutes zu tun, startete die 3A ihren Lauf. Es war ein trüber Tag, stark bewölkt, sehr milde Temperaturen und der Wind blies sanft über die ungefestigte Schotterstrecke am Waldesrand hinweg. Eine Runde umfasste 500 Meter. Nach jeder gelaufenen Runde erhielt man einen Strich auf seiner Hand. 

Lauf, Fabi, Lauf

Es war ein mein erster, richtiger Lauf ansonsten kannte ich das Laufen nur als Nebensache beim Fußball. Angetrieben von meinen Klassenkameraden und dem Veranstaltungsrahmen lief ich Runde für Runde bis ich schließlich sechs Runden und damit meine vereinbarte Anzahl an Kilometern erreichte. Doch ich lief weiter ohne Gedanken an irgendwelche Abmachungen zu verschwenden.  Nach und nach stiegen meine Klassenkameraden aus dem Lauf aus und es kamen weitere Klassenstufen und somit neue Mitläufer hinzu. Jeder weitere Strich der hinzu kam ließ den überraschten Ausdruck meiner damaligen Lehrer größer worden. Zwischenzeitlich wurde ich gefragt, ob ich nicht der Meinung wäre, dass 14 Striche doch bereits genug seien, aber ich antwortete euphorisch “Nö, ich möchte weiter laufen” – Sehr zum Nachteil der Budgetplanung meiner Sponsoren. 

Grundschüler im Dopaminrausch

Nach dem 22. Strich beschloss ich schließlich den Lauf zu beenden und betrachtete dabei stolz meinen mit Farbstiften tätowierte linker Handrücken. Elf Kilometer bin ich an diesem Tag gelaufen. Das erste Mal in meinem Leben die magischen 10K geknackt, ohne dass das bis dahin eine Rolle gespielt hatte. Zu Hause angekommen präsentierte ich meinen bemalten Handrücken und sah in die erstaunten Gesichter meiner Sponsoren. Immer noch mit einem Lächeln im Gesicht weigerte ich mich meine Hand zu waschen und betrachtete sie als Trophäe, die es nie gab. Trotz all des Dopamins und Serotonins muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich die Tage danach solch einen Muskelkater hatte, wie ich es in meinem weiteren Leben nicht mehr erleben durfte. Dieser saß scheinbar so tief noch in den Knochen, dass es über 18 Jahre dauerte, bis ich bewusst wieder mehr als 10 Kilometer laufen gegangen bin (Wanderungen hierbei ausgenommen).

Am Ende kann jeder Tag der Tag sein, an dem du deine Grenzen durchbrichst. Wann das sein wird, entscheidest ganz allein du und niemand anderes.